VW Touareg 2018 12 Bilder Zoom
Foto: VW

Vorstellung VW Touareg (2018)

Ganz großes Kino

VW setzt voll auf Digitalisierung. Das Multimediasystem des Touareg III lässt sogar den Bildschirm im Tesla alt aussehen. Aber fahren kann der neue SUV auch. Und wie.

Manchmal muss man erst zugeparkt werden, um die echten Vorteile eines SUV zu erfahren. Unser Touareg jedenfalls lässt sich weder vom Falschparker hinter noch von der Böschung direkt vor dem Auto beeindrucken. Ein Dreh am Regler der Fahrprogramme und leise surrend hebt die Luftfederung den Wagen an. Mit 70 Millimeter mehr Luft unterm Boden tastet sich der SUV einfach vorwärts die steile Halde hoch, während die Elektronik die 286 PS auf dem geschotterten Untergrund bändigt.

Auf Differenzial-Sperren oder Untersetzungen müssen Touareg-Fans künftig allerdings verzichten. Beim "Auto für die digitale Generation" setzt Volkswagen andere Prioritäten. Für 2.941 Euro extra (alle Preise netto) baut sich vor dem Fahrer eine spektakuläre Digitalwelt auf, die man so vielleicht bei Tesla, nicht aber in einem Volkswagen vermuten würde. Klickt der Fahrer über eine Taste am Lenkrad die Instrumente des glasklaren Displays weg, erscheint hinterm Lenkrad eine gut 25 Zentimeter breite Landkarte in Google-Maps-Optik. Die geht fast nahtlos in einen nochmals zehn Zentimeter größeren, wie ein Tablet in die Mittelkonsole integrierten und zum Fahrer hin geneigten Glasbildschirm über. Wenn auf dem gewölbten 15-Zöller die Navi in Satellitenansicht läuft, ist das richtig großes Kino mit entsprechendem Ablenkungspotenzial. Da hält man den Blick besser nach vorne gerichtet, denn im Head-up-Display finden sich die gleichen Infos übersichtlicher angeordnet.

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Das Multimediasystem des Touareg III lässt sogar den Bildschirm im Tesla alt aussehen.
Schalter und Knöpfe sind old school

Innovision Cockpit nennt VW die neue Inneneinrichtung, die fast völlig ohne Schalter auskommt. Nur tief unten beim Automatikhebel sitzen noch zwei Drehknöpfe für die Fahr- und Federungsprogramme. Und ja, auch an den im Übereifer häufig vergessenen Lautstärkeregler haben die Ingenieure gedacht. Alles andere aber steuert der Fahrer über den Touchscreen oder per Sprache.

Man braucht Zeit, um alle Funktionen zu erfassen und das Auto wie ein Smartphone nach den persönlichen Vorlieben zu konfigurieren. Wobei sich der Wagen manche Vorlieben des Fahrers merkt und selbstständig abspeichert. Die tägliche Strecke ins Büro oder nachhause etwa, die das Navi nach ein paar Tagen selbstständig vorschlägt. Zusätzlich lassen sich auf dem Home-Bildschirm zwei Kacheln mit Kurzbefehlen programmieren, beispielsweise für Lenkrad- oder Sitzheizung im Winter.

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Der Touareg soll aus VW-Sicht das Beste aus zwei Welten bieten: den Komfort einer Oberklasse-Limousine und den lifestyligen Look eines SUV.
Hightech-Licht mit Nachtsichtsystem

Als neues Flaggschiff der Marke tritt der Touareg auch in die Fußstapfen des erfolglosen Phaeton. Er soll aus VW-Sicht das Beste aus zwei Welten bieten: den Komfort einer Oberklasse-Limousine und den lifestyligen Look eines SUV. Und Das Ganze bitteschön im Premiumsegment. Schon deshalb sieht man den Wagen in Wolfsburg als direkten Konkurrenten zu Mercedes GLE oder BMW X5. Doch er könnte auch bei Audi-Käufern Neugierde wecken. Denn VW gibt dem Wagen so ziemlich alles mit auf den Weg, was die Zulieferindustrie zu bieten hat. Massagesitze (1.058 Euro), eine Zuziehautomatik für nicht ganz geschlossene Türen (504 Euro) die hervorragend funktionierende Fahrhilfe zum Einparken mit Anhänger (1.092 Euro inklusive Anhängekupplung), die Preisliste erfüllt fast alle Wünsche. Erstmals hat VW auch ein Nachtsichtsystem im Programm (1.530 Euro). Erkennt dessen Wärmebildkamera am Straßenrand stehende Fußgänger, projiziert sie ein Abbild ins Cockpit. Je nach Risiko in gelber oder roter Umrissen. Gleichzeitig blitzen die Matrix-Scheinwerfer (1.530 Euro) den Fußgänger kurz an, um ihn für den Fahrer sichtbar zu machen.

Ein Großteil der neuen Technik steckt jedoch unsichtbar unterm Blech des um 100 Kilo abgespeckten Touareg III. Seine Luftfederung (1.638 Euro) etwa hebt das Auto im Gelände an und senkt es zum Ankoppeln von Hängern oder zum leichteren Beladen ab. Gekoppelt ist sie an einen Wankausgleich. Die meisten Autos nutzen die bestehenden Fahrwerksfedern und Dämpfer, um den Wagen in Kurven aufrecht zu halten. Das sorgt häufig für ein etwas hölzernes Fahrverhalten. Im Touareg dagegen verringern unabhängige, elektronisch angesteuerte Stabilisatoren die Seitenneigung. In der Praxis klappt das erstaunlich gut und fühlt sich sehr natürlich an. Vielleicht auch deshalb, weil VW noch ein paar Grad Schräglage zulässt.

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DieLuftfederung (1.638 Euro) hebt das Auto im Gelände an und senkt es zum Ankoppeln von Hängern oder zum leichteren Beladen ab.
Die Hinterräder lenken mit

Der Touareg ist zudem der erste VW mit Allradlenkung (2.400 Euro inklusive Luftfahrwerk). Bei hohen Geschwindigkeiten lenken seine Hinterräder parallel zu vorderen mit, was das Auto bei schnellen Spurwechseln stabilisiert. So wuselt das große Auto mühelos und auch bei hohen Geschwindigkeiten sicher über kurvige Landstraßen. Den wirklichen Vorteil spürt der Fahrer in engen Einfahrten und verwinkelten Parkhäusern. Denn bis 37 km/h schlagen die Hinterräder gegenläufig ein, was den Wendekreis des 4,88 Meter langen Gefährts um einen Meter auf Golf-Niveau senkt.

Bei den Motoren setzt VW vorerst auf Bewährtes: Viel Diesel, etwas Benzin, mindestens sechs Zylinder und viel Hubraum. Alle Motoren kommen mit komfortabler Achtgangautomatik und schaffen die ab September 2019 verpflichtende Abgasnorm Euro 6d-Temp. Zur Markteinführung gibt es nur den 286 PS starken 3.0 V6 TDI. Dessen 600 Nm Drehmoment bringen den unbeladen schon zwei Tonnen schweren Koloss mühelos auf Trab und ziehen auch mit den 3,5 Tonnen am Haken locker an. Der Einstiegspreis von 51.000 Euro mag für einen VW ambitioniert klingen, liegt aber immer noch ein paar Tausender unter dem der Premium-Konkurrenten. Im Laufe des Jahres folgt ein Ableger mit 231 PS und für 2019 kündigt VW einen V8 TDI mit 421 PS an. Diesel-Verächter können noch in diesem Jahr einen 340 PS starken Sechszylinder-Benziner bestellen, oder bis Ende 2020 warten: Dann erst soll der bereits jetzt in China erhältliche Plug-in Hybride auch nach Deutschland kommen.

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Datum

11. Mai 2018
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