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Foto: Immanuel Schneeberger

Peugeot 508 im Fahrbericht

Französisch flotte Linie

Die neue Mittelklasse von Peugeot vereint schickes Design mit praktischem Nutzwert. Dank großer Heckklappe passt auch Sperriges in die Limousine. Ob das Fahrverhalten mit der flotten Optik Schritt halten kann, klärt unser Fahrbericht.

Peugeot geht es wie den meisten Automobilherstellern: Die Kunden kaufen hohe SUVs und lassen die klassische Mittelklasse gern links liegen. Zumal, wenn die Autos nicht aus Deutschland kommen. Vom letzten 508 verkaufte Peugeot in den letzten sieben Jahren gerade mal 24.000 Stück, davon über 80 Prozent als praktischen Kombi. Ob da ein Fuhrparkmagazin der richtige Rahmen für die neue Limousine ist?

Zoom Foto: Peugeot
Das flache Heck verbirgt die große Kofferraumöffnung geschickt.

Durchaus, denn die Franzosen machen einiges anders als die Normalo-Stufenheck-Langweiler. An den Türen lässt Peugeot die Rahmen weg, an der Bugpartie macht sich der Löwe breit, und solche tiefschwarze Heckleuchten kennt man höchstens aus der Tuningszene. Mit 4,75 Metern ist der Neue um acht Zentimeter kürzer als bislang, macht sich aber drei Zentimeter breiter und spart ganze sechs Längeneinheiten in der Höhe. Es gibt kaum eine andere Mittelklasse-Limousine mit derart dynamischer Linienführung. Wer nun denkt, das gehe zulasten der Nutzbarkeit, täuscht sich.

Schicke Dachlinie, große Heckklappe

Irgendwie haben es die Ingenieure geschafft, eine große Heckklappe in den flotten Abgang zu integrieren. Darunter passen standardmäßig nur übersichtliche 487 Liter, doch der Maximalwert liegt mit 1.537 Litern auf Kombi-Niveau. Das kann man von der Kopffreiheit auf der Rückbank nicht behaupten: Ab 1,80 Metern sollte der Kopf eingezogen werden. Peugeot reklamiert auf Nachfrage zurecht, dass hinten selten jemand sitze, und wenn doch, dann eher Kinder. Die können sich immerhin über genug Kniefreiheit freuen, und allen anderen sei der nächstes Jahr folgende Kombi empfohlen.

Zoom Foto: Peugeot
Das kleine Lenkrad erlaubt gute Sicht auf die digitalen Instrumente.

Die Limousine steht schon ab 13. Oktober beim Händler und unterscheidet sich auf den Vordersitzen nicht vom voraussichtlich beliebteren SW. Das Cockpit ist sehr fahrerorientiert, die wenigen Schalter erklären sich selbst. Die restliche Bedienung hingegen eher weniger, der Touchscreen und die digitalen Instrumente lenken in der Eingewöhnungsphase ab. Gut gelungen ist die Gestaltung, die mit weichen Kunststoffen und hochwertigen Holzeinlagen mit der deutschen Konkurrenz mithalten kann. Detailschwächen in der Verarbeitung übersieht man da gern. Zumal die Sitze gegen 420 Euro Aufpreis echt gut sind. Nach Opel-Vorbild zertifiziert Peugeot sie dann mit dem AGR-Siegel, ab der zweiten Ausstattung Allure sind sie Serie. Typisch für Peugeot sind die hoch angebrachten Instrumente, die ein Head-Up-Display überflüssig machen. Der Fahrer hat sie gut im Blick, das kleine Lenkrad ist tief angebracht und liegt gut in der Hand.

Gute Straßenlage, leiser Innenraum

Kurvige Landstraßen gehören zum Lieblingsgebiet des 508. Die Fahrwerksabstimmung ist ein gelungener Kompromiss aus Komfort und Agilität, die Lenkung gibt gute Rückmeldung über den Fahrwerkszustand und die Sitze geben ordentlichen Seitenhalt. Natürlich ist das bevorzugte Einsatzgebiet einer Mittelklasse-Limousine die Autobahn. Auch da gefällt der 508. Die gute Geräuschdämmung macht es schwer, den Zweiliter-Diesel mit 160 PS als Selbstzünder zu erkennen. Die Achtstufen-Automatik hat stets den passenden Gang parat, und der adaptive Tempomat regelt bis zum Stillstand (Aufpreis 630 Euro). Der Motor geht druckvoll zur Sache, die stärkere Variante bringt nicht einmal auf dem Papier einen nennenswerten Vorteil. Sie ist ebenso wie die Benziner vorbildlich leise.

Einzig die Windgeräusche ab Tempo 100 sind lauter als in dieser Klasse üblich. Da hilft wohl selbst deutsche Zulieferkompetenz nicht gegen den prinzipbedingten Nachteil rahmenloser Scheiben. Ansonsten gibt es wenig Anlass zur Kritik, außer vielleicht, dass der neue Peugeot kein Schnäppchen ist. Bei 26.260 Euro startet die Preisliste, dafür gibt es einen 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS. Mit 21 Prozent werden laut Peugeot die meisten Kunden zum oben vorgestellten mittleren Diesel in der mittleren Ausstattung Allure greifen. Samt Automatik verlangen die Franzosen dafür schon 32.311 Euro. Zudem gibt es zwei Benziner, die aus 1,6 Litern Hubraum 180 oder 225 PS zaubern. Auf dem Pariser Salon in Herbst will Peugeot einen Plug-in Hybriden zeigen, der noch etwas teurer werden dürfte. Wer Extras wie Nachtsichtassistent, adaptives Fahrwerk und Ledersitze wählt, kann den Preis freilich noch weiter in die Höhe treiben. So richtig tief ist eben nur die Dachlinie im neuen 508.

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Datum

11. Juli 2018
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