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Hersteller-Konditionen für Kleinunternehmer

So bekommen auch kleine Flotten Rabatte

Die besten Autopreise bekommen Großeinkäufer. Für Kleinunternehmer und Start-ups gelten andere Bedingungen. Doch das Angebot steigt auch für sie – Bonität vorausgesetzt.

Wenn Autobauer nach eigenem Bekunden kleinen Fuhrparks mehr Bedeutung beimessen, so lässt das Rückschlüsse zu. Entweder sterben große Flotten aus. Oder aber Kleinunternehmer und Selbstständige setzen verstärkt auf Firmenwagen. Vermutlich letzteres. Leasing und Finanzierung sind natürlich auch für sie wichtige Themen. Aber: Die Bonität kleinerer Betriebe ist in der Regel eine andere, die Eigenkapitalquote viel geringer als die von großen Unternehmen. An die Konditionen der Großflotteneinkäufer kommen Kleinunternehmer nicht ran.

Oftmals ist es schwierig, überhaupt Finanzierungs- oder Leasingzusagen zu ergattern. Das betrifft vor allem Jungunternehmer und Firmengründer. "Für neu gegründete Firmen ist es faktisch unmöglich, über übliche Finanzierungskanäle ein Fahrzeug zu leasen, da die Anbieter das Risiko eines Zahlungsausfalls nur schwer einschätzen können", bestätigt Ralph Eric Kunz. Er ist Mitgründer sowie Chef der Plattform "Firmen-kfz.de" und damit selbst so etwas wie ein Start-up-Unternehmer.

Kleinfuhrparks als lukrative Kunden

Die Plattform gibt es seit 2015. Sie hat sich auf die Beschaffung und Verwaltung von Dienstwagen spezialisiert. 12.000 Kunden sind mittlerweile akquiriert, viele davon aus dem Bereich kleinerer und mittlerer Unternehmen. "Deshalb haben wir mit unseren Finanzierungspartnern und den Marken BMW und Mini ein Angebot ausgearbeitet, das Gründern den Zugang zu Firmenfahrzeugen schon in der frühen Unternehmensphase ermöglicht." Exakt definiert sich diese Phase über einen Zeitraum von sechs Monaten. So lange muss ein Unternehmen mindestens am Start sein. Beratung für Jungunternehmer, so Kunz, sei durchaus angebracht: "Laufzeiten und effektive Kosten sind beim Leasing schließlich zentrale Bestandteile."

Doch gerade in dieser Startphase können Firmengründer häufig die zu erwartende Laufleistung eines Geschäftswagens schlecht einschätzen. Aus diesem Grund vermittelt das Unternehmen auch Lea­sing­ange­bote ohne Kilometerbegrenzung für Fahrzeuge der genannten Marken. Zu interessanten Konditionen. So lag kürzlich bei einem Angebot die Monatsrate für einen Mini unter 294 Euro netto.

Auch etablierte Leasinggesellschaften entdecken den Markt der Kleinen für sich. Lease Plan etwa ist mit 1,7 Millionen Fahrzeugen weltweit einer der größten Leasing­anbieter. Der holländische Konzern ist seit 1973 auch in Deutschland aktiv – bislang als Partner eher großer Flottenbetreiber. Durch ein Angebot namens "Click & Drive" haben Gewerbetreibende jetzt die Möglichkeit, ein vorkonfiguriertes Auto online auszuwählen und hierfür ein Angebot einzuholen. Zeitfenster: Bereits eine Woche nach Vertragsschluss sollen die Kunden im neuen Auto sitzen. Ausgestattet mit einem Paket, das unter anderem auch eine Minderwertversicherung beinhaltet. "Das Angebot richtet sich insbesondere an Kleinunternehmen, Selbstständige und Freiberufler", erklärt der Vorsitzende der Geschäftsleitung in Deutschland, Patrick Vierveijzer. Die imaginäre Grenzgröße eines Fuhrparks für Online-Angebote liege bei neun Fahrzeugen. Für etwas größere Mittelständler mit zehn bis 25 Autos habe man zudem den Direktvertrieb neu organisiert und biete unterschiedliche Vertragsarten je nach Anspruch an.

Sixt Leasing verrechnet Umweltprämie

Ähnlich verläuft der neue Klassenkampf bei Sixt Leasing. Auch dort können Kunden mit kleineren Fuhrparkgrößen Autos und Konditionen über eine spezielle Online-Plattform zusammenstellen. Falls angeboten, können die Kunden sogar die Umweltprämien verrechnen lassen. Gerade in kleineren Fuhrparks, so das Kalkül, dieseln noch zahlreiche Autos unterhalb der Euro-5- und Euro-4-Normen vor sich hin. "Mit der Umweltprämie können unsere Kunden nicht nur Geld sparen, sondern auch einen Beitrag zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes leisten", sagt Vorstandsvorsitzender Rudolf Rizzolli.

Ein Argument, das manchen Gewerbetreibenden derzeit bewegen dürfte. Wenn nicht aus ökologischer Überzeugung, dann aus Angst vor drohenden Fahrverboten. Und so funktioniert‘s: Kunden wählen auf der Plattform zunächst ein Wunschmodell, das sie anschließend nach ihren Wünschen konfigurieren, von der Ausstattung über die Laufzeit bis hin zur Laufleistung. Ein Leasingrechner zeigt an, welche Monatsrate unter Berücksichtigung der Umweltprämie anfällt. Im Anschluss erhalten Kunden per E-Mail ein unverbindliches Angebot.

Importeure bedienen kleine Flotten mit speziellen Finanzierungsangeboten
Dass die Autohersteller den Dienstleistern das Feld nicht gänzlich überlassen wollen, liegt auf der Hand. Kleine und mittlere Unternehmen waren bislang ohnehin die Domäne der Importeure. Die Vertriebswege dabei sind vielschichtig. Viele Autobauer blicken mittlerweile über den eigenen Konzernrand und lassen Leasingangebote über ihr Händlernetz nicht nur durch die eigenen Unternehmensbanken, sondern auch durch Partnerunternehmen erstellen. So bieten beispielsweise Hyundai-Händler unter anderem Angebote von ALD an, Mazda von Santander Leasing, Suzuki von Comco Leasing und der Credit Plus Bank.

Um herauszufinden, welcher Dienstleister letztlich hinter einer Offerte steht, genügt ein Blick aufs Kleingedruckte. Dort findet sich in solchen Fällen ein Hinweis, dass das Angebot gemäß den allgemeinen Geschäftsbedingungen eines namentlich genannten Fremdanbieters gilt. Wettbewerb senkt die Preise – für Firmenwagenkäufer ist diese Partnervielfalt grundsätzlich eine gute Sache. Ob sie allerdings davon profitieren können, hängt von den Sicherheiten ab, die ein Anbieter verlangt. Erklären lassen die sich auch in Zeiten des Onlinehandels mit dem Urprinzip der Marktwirtschaft: Ohne Moos nix los

So ticken kleine Fuhrparks

  • In kleinen Fuhrparks (1–9 Autos) läuft ein Fahrzeug im Durchschnitt 5,4 Jahre.

  • 14 Prozent der Betreiber kleiner Fuhrparks geben an, dass der Dieselskandal bereits Folgen für die eigene Dienstwagenstrategie gehabt hat.

  • Für 40 Prozent ist der Kauf die Hauptbeschaffungsmethode für einen Firmenwagen, für acht Prozent der Autokredit, 14 Prozent wählen Restwertleasing und 38 Prozent Leasing mit Kilometervertrag.

  • 9 Prozent nutzen fahrzeugseitig Telematiksysteme (außerhalb von Smartphone-Lösungen) zur Verbrauchskontrolle, Ortung oder der Überwachung von Fahrverhaltensweisen.

  • 10 Prozent ziehen in Erwägung, künftig ein Elektroauto zu nutzen. Zwei Prozent tun es bereits.

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Datum

16. März 2018
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