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Fahrbericht Honda Civic 1.6 i-DTEC

Fastenkur auf japanisch

Jetzt schnürt auch Honda den Gürtel enger. Der leichteste Dieselmotor der Kompaktklasse mit nur 1,6 Liter Hubraum arbeitet im Civic und soll nur 3,6 Liter schlucken.  

Mit Dieselmotoren haben es die japanischen Hersteller nicht so sehr. Oft muss ein Motor die ganze Modellpalette bedienen. Bei Honda war das bisher ein Vierzylinder mit ordentlichen Manieren. Nur: 2,2 Liter und 150 PS sind für die Kompaktklasse doch etwas viel. Eine kleinere Einstiegsvariante suchte man bei Honda vergebens.
Im April 2013 soll sich das ändern. Dann bekommt der Civic einen neu entwickelten 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS. Der kleine Selbstzünder ist Vorbote einer neuen Antriebsgeneration besonders sparsamer und emissionsarmer Motoren, die bei Honda unter der Bezeichnung Earth Dreams Technologie firmieren.

Wenig Gewicht und geringe Reibung senken den Verbrauch

Um die Effizienz zu erhöhen, standen bei den Honda-Motorenentwicklern vor allem die Gewichtsreduzierung sowie die Verringerung der innermotorischen Reibung im Vordergrund. Kolben, Pleuel und Kurbelwelle fallen beim 1.6 i-DTEC deutlich schlanker aus, der komplette Motor wiegt nur rund 170 Kilogramm. Obwohl der Selbstzünder auf eine Ausgleichwelle verzichtet, startet er mit einem weichen, kaum wahrnehmbaren Grummeln. Als wolle er sein Verbrennungsprinzip völlig verleugnen.

Seidenweiche Laufruhe und Active Noise Cancelation

Auch beim Tritt aufs Gas bleibt das Aggregat dezent im Hintergrund. 300 Newtonmeter bei 2.000 Umdrehungen und ein Turbo mit variabler Turbinengeometrie lassen den Civic gleichmäßig und kraftvoll antreten. Den Sprint von Null auf Hundert absolviert der Japaner in 10, 2 Sekunden und ist bei Bedarf maximal 206 km/h schnell. Eine automatische Luftklappensteuerung am Kühlergrill sorgt dafür, dass der Civic windschlüpfrig sowie effizient über den Asphalt gleitet.

Damit die Ruhe im Innenraum nicht gestört wird, gibt es neben der aufwändigen Geräuschdämmung beim neuen Honda neuerdings auch eine so genannte Active Noise Cancelation. Das System kennt man schon von Marken wie Audi oder Porsche: Mikrofone im Dachhimmel erfassen Störfrequenzen beim Fahren und filtern sie mit gezieltem Gegenschall über die Lautsprecher der Audioanlage heraus. In der Praxis funktioniert das System durchaus überzeugend.

Nur mit dem Verbrauch will es nicht so recht klappen, zumindest nicht auf unserer ersten Testrunde durch die französischen Seealpen. Den Normverbrauch von 3,6 Litern verfehlte der Civic deutlich. Exakt 5,0 Liter zeigte der Bordcomputer nach einer Fahrt mit Steigungen und Kurven an.

Wenigstens lässt sich das Sparpotential mittels Knopfdruck auf die Econ-Taste um ein paar Zehntelliter erhöhen. Dann spricht aber die Motorsteuerung etwas träger an und die Klimaanlage arbeitet in einem wirtschaftlicheren Modus.

Der Civic mit kleinem Diesel fährt sich agiler

Auffällig: Im direkten Vergleich zum kräftigeren 2,2-Liter mit 150 PS geht der Civic 1.6 i-DTEC merklich handlicher ums Eck. Das verdankt zum einen der direkteren Lenkung, vor allem aber dem geringeren Gewicht. Schließlich lasten hier 47 Kilo weniger auf der Vorderachse. Auch das neue Sechsganggetriebe trägt zum Fahrspaß bei. Kurz und knackig flutscht der Schalthebel durch die Gassen, der elastische Motor lässt sich aber auch schaltfaul fahren.

Ein kompaktes Raumschiff für Individualisten

Für kostenbewusste Fuhrparkmanager oder User Chooser mit dem Hang zum Extravaganten könnte der spacige Civic mit kleinem Diesel durchaus eine Alternative zu Mainstream-Modellen wie Opel Astra, Ford Focus oder VW Golf sein. Als Gegenwert erhalten sie ein futuristisch geformtes Fahrzeug mit viel Platz und hoher Variabilität. Sperriges, wie große Pflanzen oder Mountainbikes lassen sich dank der einzigartigen Magic Seats auch stehend im Innenraum befördern. Klappt man die Rücksitze – ähnlich wie bei einem Kinosessel – mit nur einem Handgriff hoch, wächst das Laderaumvolumen von ohnehin schon geräumigen 477 auf ebenflächige 1.378 Liter. Noch steht der genaue Preis nicht fest, doch dürfte er mit gut 17.200 Euro rund 1.260 Euro günstiger sein als der große Diesel. Dank kleinerem Hubraum fällt natürlich auch der Steuerbescheid für den Civic 1,6 i-DTEC geringer aus. Die Fastenkur hat sich also für den Civic gelohnt.

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Datum

11. Januar 2013
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